Wandel hat keine Endhaltestelle

„Sei die Veränderung, die du dir wünscht.“

Dieses Sprichwort steht als Leitlinie für Führungskräfte des 21. Jahrhunderts. In „Die letzte Stunde der Wahrheit – Kritik der vernunftvergessenen Komplexität“ bescheinigt Armin Nassehi dem eindimensionalen Denken ein baldiges Ende. In einer immer komplexer werdenden Welt hat das Ursache-Wirkung-Denken ausgedient, denn nur mit vernetztem Denken lassen sich die Komplexität von Gesellschaft und Organisationen verstehen und adäquate Lösungen finden. Wandel wird zentraler Bestandteil der Führungsarbeit und Selbsterneuerung ein Dauerzustand, denn es obliegt den Führungskräften, ein Klima der Veränderung zu schaffen und Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen. Organisationen und die darin wirkenden Menschen brauchen in erster Linie den Mut zur Selbstreflexion und zu Fehlern, die Bereitschaft zu Verständigung und Vernetzung sowie eine Kultur des Zweifelns und Experimentierens. Dass Führungskräfte hier eine wichtige – wenn auch völlig neue Rolle spielen – ist offensichtlich.

Hans-Joachim Gergs hat in seinem Buch „Der Prozess der kontinuierlichen Selbsterneuerung“ Spielregeln definiert, die Führungskräfte in diesem Prozess unterstützen. Einige davon zitiere ich nachfolgend:

  1. Befreie dich von Routinen
  2. Verändere in kleinen Schritten
  3. Rede über deine Lernprozesse
  4. Überschreite gedankliche und physische Grenzen
  5. Kommuniziere konstant ….

Viel Erfolg beim inneren Change – der Grundlage jeglicher Veränderung im Außen.

Change-Kommunikation

Das Managermagazin veröffentlichte vor einiger Zeit einen Artikel mit der Überschrift „So gelingt Kommunikation“. Der Beitrag weist darauf hin, dass viele Unternehmen – gerade in anstrengenden Veränderungsprozessen – nicht ausreichend oder nicht zielführend kommunizieren. Das kann ich aus meiner Trainer-und Coaching-Praxis bestätigen und finde daher die von der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG definierten „sechs Prinzipien der systematischen Change-Kommunikation“ sehr hilfreich. Hier sind sie:

  1. Eine gute Geschichte erzählen, um den Mitarbeitern den Sinn von Change-Prozessen aufzuzeigen und sie zu bewegen, eingetretene Pfade zu verlassen.
  2. Die Nähe des Top-Managements zur Belegschaft gewährleisten, um glaub- und vertrauenswürdig den Status quo der Veränderung zu kommunizieren.
  3. Feedback-Prozesse definieren um regelmäßige Rückmeldung sicherzustellen und Fragen beantworten zu können.
  4. Aus Fehlern lernen bedeutet, diese als Lernchance zu begreifen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Auch hierüber ist offen und transparent zu informieren.
  5. Abwechslungsreiche Kommunikationsformate entwickeln, um die erforderliche Wiederholung von Botschaften im Bewusstsein der Mitarbeiter zu verankern und Rückfragen zu ermöglichen.
  6. Veränderungsbereitschaft der Führungskräfte fördern, denn sie sind es, die (auch) unpopuläre Entscheidungen kommunizieren und mit ihren Teams umsetzen müssen. Es ist wichtig, sie auf ihre Rolle als „Kommunikator im Wandel“ vorzubereiten.

Habe Lösung – Suche Problem

Das Angebot an Methoden rund um das agile Arbeiten steigt und steigt und es bleibt die Qual der Wahl. Methodenvielfalt nährt – wie die Vielfalt an Arznei- oder Nahrungsergänzungsmitteln etc. – Hoffnungen. In diesem Fall die Hoffnung, dass die zur Verfügung stehenden Tools die Mitarbeiter veränderungsbereiter machen und sie die sich wandelnden Anforderungen mit links bewältigen. Inzwischen gibt es Ratgeber, die Hilfesuchende, Personalverantwortliche und Manager unterstützen, den Methoden-Dschungel unbeschadet, das heißt ohne immensen Geld- und Zeitaufwand, aber mit nennenswerten Erfolgen zu durchqueren. Doch auch in jeder Matrix, die entsprechende Tools erklärt und clustert, bleibt eine Größe variabel – der Mensch. Da es nicht DEN EINEN Mitarbeiter-Typ gibt, lässt sich auch mit der besten Methode nicht vorhersagen, ob die menschliche Ressource bereit und in der Lage ist, den erforderlichen Veränderungsschritt zu wagen. Methodik ist in einem komplexen Umfeld und einer generationenübergreifenden Belegschaft nicht die allein seligmachende Lösung. Das „Problem“ ist vielschichtig, individuell und komplex. Neben der Anpassung der Unternehmenskultur, bedürfnisorientierter Führung, einem gemeinsamen Verständnis und transparenter Kommunikation darüber, was Veränderung für Unternehmen, Kunden und Mitarbeiter bedeutet, finden jedoch auch neue und innovative Methoden ihren Platz.

Attraktiver Arbeitgeber

In einem Arbeitnehmermarkt müssen sich Unternehmen anstrengen, um an die begehrte „Ressource“ Mitarbeiter zu kommen. Die Vordenkerin im Bereich „Future Leadership“, Constanze Buchheim, macht deutlich, dass es nicht mehr damit getan ist, Mitarbeitern einen Kicker oder kostenloses Obst anzubieten. Vertreter der nachrückenden Generation streben nach der Befriedigung von Individualbedürfnissen, allem voran nach Selbstverwirklichung. Erfolgreich zu führen ist verbunden mit neuen Herausforderungen:

  • Motivation entsteht nicht über die Erfüllung von Aufgaben, sondern aus dem inneren Antrieb sich zu entwickeln
  • Aufgaben übertragen, die den Mitarbeiter fordern und fördern
  • Rückmeldung und Austausch zu den Ergebnissen
  • Aufzeigen von Entwicklungsfeldern/Stärken
  • Fördermaßnahmen
  • „Karriere“ funktioniert horizontal UND vertikal – neue Aufgabenfelder erschließen
  • Projektarbeit, möglichst offen gestaltete Arbeitsaufträge
  • Kreatives Umfeld, Netzwerken 
  • Kompetenzen und Entscheidungsfreiheit
  • Keine Bewertung in „richtig/falsch“ sondern Beurteilung der Ergebnisse unter Berücksichtigung der Wertmaßstäbe des Mitarbeiters

https://www.mittelbayerische.de/wirtschaft-nachrichten/recruiting-ein-kicker-reicht-nicht-mehr-21840-art1791999.html

Schweigende Manager

Dr. Ulrich Bauhöfer, Arzt und Meditationslehrer, ist der Überzeugung „wir laufen auf eine große Meditationswelle zu, weil die Leute das brauchen.“ Meditation – lange Zeit ein Relikt aus der Esoterik-Ecke – ist inzwischen wissenschaftlich erforscht und auf dem Siegeszug durch die Führungsetagen. Bauhöfer stellt klar: „Da ist null Esoterik im Spiel.“ Vielmehr gehe es darum, den menschlichen Körper als biologisches Unternehmen zu betrachten und zu erkennen, dass das Geheimnis von Führungsstärke (sowohl im Innen als auch im Außen) im intelligenten Energiemanagement liegt. Während zu meditieren für altgediente Führungskräfte noch eine Revolution bedeutet, ist es für den Führungsnachwuchs inzwischen so selbstverständlich wie Joggen. Seelische Fitness steht hoch im Kurs in einem sich schnell verändernden Umfeld. Der beste Quell kreativer und innovativer Ideen liegt in uns selbst. Meditation unterstützt uns dabei, ruhig zu werden und nach Innen zu lauschen. Das stille Sitzen hat positive Auswirkungen auf die Steuerung unserer Emotionen, Gesundheit, Wahrnehmung und unseres Verhaltens – kurzum auf alles was uns dabei unterstützt, die Herausforderungen des Alltags erfolgreich zu meistern.

Wie populär und wissenschaftsfähig sich Meditation mittlerweile positioniert, lässt nicht zuletzt der interdisziplinäre Kongress zur Meditations- und Bewusstseinsforschung erahnen, der seit 2010 in zweijährigem Turnus in Berlin stattfindet und daher in 2020 bereits in seine sechste Runde geht.

Know-why statt Know-how

„Worin liegt der Sinn unseres unternehmerischen Handelns? Brauchen wir Know-how oder vielleicht auch Know-why? Woher nehmen wir den Mut für große Veränderungen und wo bleibt der Mensch dabei? „DIE STILLE REVOLUTION“ – der Kinofilm zum Kulturwandel in der Arbeitswelt von Regisseur Kristian Gründling nach einer Vision von Bodo Janssen gibt Antworten auf diese Fragen und weitere tiefe Einblicke auf einer Reise, die zukunftsorientierte Unternehmen nun nach und nach antreten.“

Viele Unternehmen vollziehen derzeit den Wandel weg von der Wettbewerbskultur und hin zur Kooperationskultur im Betrieb. Damit sollen gemeinsame Ziele möglichst effizient erreicht und Wissen hierarchieübergreifend geteilt werden. Eine neue Art des Miteinander als Erfolgsrezept der Zukunft? Führungskräften, Trainern und Coaches kommt hierbei eine wichtige Rolle zu.

Für mehr zum Thema empfehle ich den Film „Die stille Revolution“ und verweise zum Schnuppern auf den Trailer:

https://www.die-stille-revolution.de

GUT – BESSER – AM BESTEN

Es ist ein selbstverständliches und alltägliches Szenario im Unternehmensalltag: Ein verdienter Mitarbeiter erklimmt die nächste Stufe der Karriereleiter. Er hat sich durch Leistung und Engagement ausgezeichnet und sich so für die Besetzung einer Führungsposition qualifiziert. Das Rennen unter den Bewerbern entscheidet er klar zu seinen Gunsten und startet mit viel Elan und unter großem Erwartungsdruck in die neue Aufgabe. Genau an diesem Punkt scheitern Karrieren.

Mitarbeiter, die aus dem operativen Geschäft in eine Leitungsposition rutschen, sind und werden in der Regel nicht oder nicht ausreichend auf die Rolle als Führungskraft vorbereitet. Erwartungen bleiben unausgesprochen, denn der Mitarbeiter weiß ja schließlich „wie die Firma tickt“. Das Treffen von Entscheidungen folgt daher in der Startphase nicht selten dem vagen Schema „kalt“ “warm“ oder „heiß“.

Besser zu werden bedeutet für designierte Führungskräfte nicht, noch mehr Spezialwissen anzuhäufen, länger als andere zu arbeiten oder Schadensbegrenzung bei Fehlern zu betreiben. Es bedeutet zu lernen, Menschen und Teams zum Erfolg zu führen, strategische und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, Mitarbeiter zu fordern und zu fördern, klar und transparent zu kommunizieren, sich zu positionieren, größer zu denken, Veränderungsprozesse zu gestalten und die neue Rolle nicht nur zu bekleiden, sondern zu verkörpern.

Damit das gelingt, sind konsequentes Selbst-Management und permanente Selbst-Reflexion erforderlich. Andernfalls droht die Gefahr, sich im Alltagsgeschäft zu verlieren oder persönliche Grenzen dauerhaft zu überschreiten. An diesem Scheideweg vom Mitarbeiter zur Führungskraft bietet sich die Begleitung durch einen Coach an. Der geschützte Rahmen im Coaching ermöglicht die Analyse der Rahmenbedingungen, die Definition von Zielen, die Entwicklung von persönlichen Strategien, die Aktivierung von hilfreichen Ressourcen und die Konzentration auf das Wesentliche. GUT – BESSER – AM BESTEN zu werden, bedeutet persönliche Entwicklung, die gezielt gefördert werden muss. Coaching ist hierfür eine Investition die sich lohnt und aus der alle Beteiligten größtmöglichen Nutzen ziehen: das Unternehmen, die neue Führungskraft sowie deren Mitarbeiter.