Wie versprochen melde ich mich aus dem Urlaub und mit neuen Infos über „Das anständige Unternehmen“ zurück. Reinhard K. Sprenger geht in seinem Buch mit vielen, in Unternehmen heute üblichen Führungsansätzen ins Gericht. Er zeigt auf, was anständige Unternehmen tun und stellt es der heute gelebten Praxis gegenüber. Diese – so sein Ansatz – bedingt die Entmündigung von Mitarbeitern, mit entsprechend negativen Konsequenzen. Mit seiner These vom „Überschuss an Zudringlichkeit“ wettert er gegen psychischen Dichtestress und plädiert dafür, dass im Wirtschaftsleben das Denken in jede Richtung neu erprobt werden muss. Von beiden Seiten – den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern.

Dieses Buch fasziniert durch die klare Aufforderung, wieder stärker Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Sprenger plädiert dafür, (zu) sich selbst zu finden und das zu vertreten, was einem im Arbeitsprozess wirklich wichtig ist. Dazu gehört auch, seine persönlichen Sichtweisen zu unternehmerischen Entscheidungen offen und konstruktiv zu äußern, statt sie verklausuliert in anonymen Mitarbeiterbefragungen zu dokumentieren. Oder sich gegen ein Arbeitsverbot in den Abendstunden auszusprechen, wenn man sehr wohl bereit ist, auch nach 22:00 Uhr noch zu arbeiten, weil man dafür tagsüber Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Auch vermeintlich gut gemeinte Angebote aus dem Gesundheitsmanagement sollte ein Mitarbeiter ausschlagen. Sprenger ist der Meinung, dass gesund zu sein und zu bleiben, eine sehr persönliche Angelegenheit und zudem ein sehr subjektiver Faktor ist.

Mit seinem Appell nach mehr Eigenverantwortung liegt Sprenger voll im Trend. Denn nur wer sich nicht in Schemata pressen lässt, entgeht der Abhängigkeitsfalle oder dem vielzitierten Hamsterrad – denn beides mündet letztendlich in Unfreiheit und Stress und schadet somit Mitarbeitern und Unternehmen.

Sprenger stellt 5 Prinzipien auf, die ein anständiges Unternehmen kennzeichnen:

1. Betrachte Mitarbeiter nicht als bloße Mittel
2. Behandle Mitarbeiter nicht wie Kinder
3. Versuche nicht, Menschen zu verbessern
4. Verletze nicht die Autonomie der Mitarbeiter
5. Bezeichne nichts als alternativlos