Viel Wirbel um „vertikale Ambitionen“

Viele Frauen haben keine vertikalen Ambitionen. Sie wollen keine Führungsposition, sondern nur einfach gute Arbeit machen und glücklich sein….

Eine der schillerndsten Figuren der Werbewelt, Kevin Roberts, Chef der Werbeagentur Saatchi & Saatchi, muss seinen Sessel räumen.

Der Grund hierfür? Eine Aussage in einem Interview gegenüber der Nachrichtenseite „Business Insider“. Roberts äußerte seine Ansicht, wonach viele Frauen im Job gar nicht Karriere machen wollen. Es fehle ihnen an „vertikalen Ambitionen“: Sie wollen keine Führungsposition, sondern nur einfach gute Arbeit machen und glücklich sein. Sein Arbeitgeber kann diese Ansicht nicht akzeptieren und trennt sich von einem Manager, der „die Bedeutung von Inklusion nicht schätze“.

Offenbar haben Firmen nun das Gefühl, auf dem Altar der quotengesteuerten Frauenförderung jetzt Männer opfern zu müssen, um politisch korrekt zu erscheinen. Ich kenne Kevin Roberts nicht persönlich, aber mit seiner Aussage liegt er richtig. Viele Frauen wollen tatsächlich nicht Karriere machen. Und das steht ihnen im selben Umfang zu wie Männern, die sich gegen Karriere entscheiden und nur einem „stinknormalen Job“ nachgehen, um mit ihrem Gehalt ihre Familie zu ernähren.

Somit kann ich an der Aussage von Roberts nichts Verwerfliches entdecken. Viel schlimmer finde ich die Scheinheiligkeit, mit der diese Angelegenheit aufgebauscht wird. Denn statt sich über die persönliche Meinung eines Einzelnen zu echauffieren, sollten Firmen sich zuallererst bewusst machen, dass viele gut qualifizierte und engagierte Frauen, die sich für eine Karriere entscheiden, nur aufgrund ihres Geschlechts nicht ins Management berufen werden – und dann daran etwas ändern!

 

 

Dialog statt Diskussion

In seinem Magazin Sprachnachrichten nimmt der Verein Deutsche Sprache e.V. die „Entmännlichung des Deutschen“ unter die Lupe. Vertreter von Pro und Contra der Gendersprache setzen sich mit stichhaltigen Argumenten für die aus ihrer Sicht RICHTIGE Schreibweise ein, wenn beide Geschlechter von einem Sachverhalt betroffen sind.

https://www.vds-ev.de/images/stories/startseite/sprachnachrichten/sn2014-03.pdf

Als Mitglied unserer Gesellschaft bin ich der Meinung, dass beide Seiten aus ihrer Sicht recht haben. Als Frau und Coach bin ich jedoch der festen Überzeugung, dass uns eine formale Diskussion nicht weiterbringt. Vielmehr geht es um die Veränderung der Rollenmuster von Mann um Frau. Die Zuordnung – öffentliches Leben ist die Domäne der Männer, die Familie die Sphäre der Frau – prägte bis weit ins 20. Jahrhundert die Geschlechterordnung unserer Gesellschaft. Darüber definiert sich allgemeingültig, was es heißt, Frau oder Mann zu sein und wie die Geschlechter sich im Idealfall in der Gesellschaft zu verhalten haben.

 

Frauen sind heute zwar gut ausgebildet und beruflich erfolgreich, doch bedarf es hierzu überwiegend des Einsatzes männlicher Attribute wie Zielorientierung, Machtanspruch und Durchsetzungskraft. Weibliche Qualitäten werden bislang allenfalls in sozialen und helfenden Berufen als notwendig eingestuft, jedoch drückt sich in der Bezahlung der dort Tätigen – Frauen und Männer – die mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung dafür aus. Wenn wir es schaffen, eine zukunftsweisende Veränderung zu generieren, dann wird die Formulierung der Anrede nebensächlich.

Chef der größten deutschen Strategieberatung fordert mehr weibliche Topmanager

„Männlich“ und „Weiblich“ stehen für zwei sich ergänzende Prinzipien. Dies sind die zwei Seiten einer Medaille in jedem Menschen – unabhängig vom Geschlecht. Aus der Harmonie beider Prinzipien entstehen Entscheidungen, die sowohl materiellen Überlegungen als auch sozialen und ökologischen Aspekten gleichermaßen gerecht werden. Ein Muss für die Führungskräfte von morgen.

(mehr …)